Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie: Geschichte

Geschichte

Als die BG-Unfallklinik Frankfurt/Main im August 1962 feierlich als „ungegliederte Unfallchirurgie“ eröffnet wurde, gab es als einzige Fachrichtungen eine Röntgenabteilung und eine Abteilung für Querschnittverletzungen, die organorientierte Spezialisierung erfolgte erst in den folgenden Jahrzehnten. Der erste Direktor der Unfallklinik Frankfurt, Prof. H.  JUNGHANNS (1902-1986) war jedoch schon seit langem einer der weltweit erfahrensten Experten auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie. Gemeinsam mit seinem Dresdener Lehrer Prof. Schmorl hatte er nach Untersuchungen an mehr als 10.000 Wirbelsäulenpräparaten das für Jahrzehnte weltweit als Standardwerk der Wirbelsäulenchirurgie geltende Lehrbuch „Die gesunde und kranke Wirbelsäule in Röntgenbild und Klinik“ veröffentlicht  und von diesem Erfahrungsschatz profitierten nun die wirbelsäulenverletzten Patienten in der Frankfurter Klinik. Auf Anregung von JUNGHANNS wurde dann auch 1968 in Frankfurt die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft als Muttergesellschaft der heute größten fachgebundenen Wirbelsäulengesellschaft Europas gegründet. Zu dieser Zeit wurden jährlich 40 – 60 Wirbelsäulenoperationen an der Klinik ausgeführt, u.a. auch schon Aufrichtungsoperationen bei M. Bechterew.

Nachdem JUNGHANNS 1970 in der Klinik vom hessischen Sozialminister im Namen des Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt und in den Ruhestand verabschiedet worden war, übernahm 1973 – 1986 Prof. B. HÜBNER die Leitung der Abteilung Neurochirurgie der BG-Unfallklinik Frankfurt. HÜBNER war als gelernter Allgemeinchirurg und Neurochirurg zuvor Leiter der Abteilung Neurochirurgie an der Frankfurter Universitätsklinik, so dass nun auch Patienten mit Schädel-Hirn-Verletzungen adäquat entsprechend den damaligen Möglichkeiten versorgt werden konnten. Eine Revolution in der neurologischen Akutdiagnostik war die Einführung der CT-Technik im Jahre 1984, die einen bis dahin unbekannten Einblick in das Schädelinnere ermöglichte. Jedoch konnte auch diese moderne Technik nicht verhindern, dass Prof. JUNGHANNS im Februar 1986 in seiner ehemaligen Klinik an den Folgen einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung nach einem Verkehrsunfall verstarb.

Von 1986 – 2005 führte dann der von der Mainzer Universitätsklinik an die BG-Unfallklinik Frankfurt wechselnde Prof. G. MEINIG die neurochirurgische Abteilung. Als gelernter Neurochirurg spezialisiert auf mikrochirurgische Operationstechniken wurden in seinen Anfangsjahren auch Hirntumore und Gefäßfehlbildungen (Aneurysmen) an der Unfallklinik erfolgreich operiert, während sich in den Folgejahren das Schwergewicht der operativen Tätigkeit wieder auf die Wirbelsäule verlagerte. Jährlich wurden nun bis zu 500 Wirbelsäulenoperationen durchgeführt, bei denen auch die in dieser Zeit neu eingeführten Stabilisierungstechniken („Fixateur interne“) und aufwendige Operationsverfahren („ventrodorsale Zugänge“) praktiziert wurden.

Von 2005 – 2007 übernahm Dr. N. HABERLAND, der seit dem Jahr 2000 als leitender Oberarzt an der Abteilung Neurochirurgie der BG-Unfallklinik tätig war, die Leitung. HABERLAND hatte bereits zuvor während seiner Tätigkeit an der Neurochirurgischen Universitätsklinik Jena sich intensiv mit dem computergestützten Operieren in der Wirbelsäulenchirurgie beschäftigt. Als einer der weltweit ersten Chirurgen kombinierte er die aus der Neurochirurgie bekannte intraoperative Computertomographie mit der computerbasierten Navigation und konnte dadurch die als Komplikation in der Wirbelsäulenchirurgie befürchtete Fehllage von Pedikelschrauben auf Werte von unter ein Prozent senken.

Nachdem HABERLAND im Oktober 2007 eine Berufung als Direktor des International Spine Center Cairo angenommen hatte, wechselte mit Prof. F. KANDZIORA einer der angesehensten und innovativsten Wirbelsäulenspezialisten von der Spree an den Main. KANDZIORA als gelernter Chirurg, Unfallchirurg und Orthopäde war zuvor Leiter des Campus Virchow Klinikums der Charité Berlin, bevor er im Januar 2008 die Leitung des nun neu gegründeten interdisziplinären Zentrums für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie an der BG-Unfallklinik übernahm. Das Spektrum der operativen Eingriffe erweiterte sich ebenso beträchtlich wie ihre Zahl, die nunmehr bei mehr als 1500 Wirbelsäulenoperationen jährlich liegt. Die weltweite Akzeptanz der in der Frankfurter Klinik geleisteten Arbeit findet ihren Ausdruck in der europa- (EuroSpine) und weltweiten (AOSpine) Akkreditierung als Ausbildungszentrum für internationale Wirbelsäulenchirurgen

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